Leben

Leben hat immer die Tendenz, zu vereinen und zur Ganzheit zu kommen. Anders formuliert heißt dies, Leben ist notwendigerweise ein Prozess ständigen Wachstums und Wandels. Hören Wachstum und Veränderung auf, tritt der Tod ein. Leben wächst aber nicht wild und unstrukturiert; jedem Lebewesen ist eine eigene Form und Struktur zu eigen, die in seinen Chromosomen eingepflanzt ist. Es kann vollständiger und vollkommener wachsen, aber es kann nicht zu etwas heranwachsen, was in ihm nicht angelegt ist. ― (1967e: Die Faszination der Gewalt und die Liebe zum Leben, in: Erich-Fromm-Gesamtausgabe (GA) Band XI, S. 340)


Das Leben selbst ist eine Kunstin Wirklichkeit die wichtigste und zugleich schwierigste und vielfältigste Kunst, die der Mensch ausüben kann. Ihr Gegenstand ist nicht diese oder jene spezielle Verrichtung, sondern die „Verrichtung“ des Lebens selbst, der Entwicklungsprozess auf das hin, was der Mensch potentiell ist. Bei der Kunst des Lebens ist der Mensch sowohl der Künstler als auch der Gegenstand seiner Kunst. Er ist der Bildhauer und der Stein, der Arzt und der Patient. ― (1947a: Psychoanalyse und Ethik. Bausteine zu einer humanistischen Charakterologie, in: Erich-Fromm-Gesamtausgabe (GA) Band II, S. 16.)

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