Tatsachen

Was sind eigentlich Tatsachen? Selbst wenn sie stimmen und nicht durch eine persönliche oder politische Brille gesehen werden, können sie rein für sich genommen nicht nur bedeutungslos, sondern sogar eben durch die getroffene Auswahl unwahr sein, da sie die Aufmerksamkeit vom Wesentlichen ablenken oder unser Denken zerstreut und fragmentarisch machen, so dass wir um so weniger zu sinnvollen Entscheidungen in der Lage sind, je mehr „Informationen“ wir erhalten haben. Die Auswahl von Tatsachen setzt seine Bewertung und eine Entscheidung voraus. (…)

„Tatsachen“ sind Deutungen von Ereignissen, und die Deutung setzt bestimmte Interessen voraus, welche die Relevanz des betreffenden Ereignisses bestimmen. Die entscheidende Frage ist, wofür ich mich interessiere und wie die Tatsachen daher beschaffen sein müssen, um für mich von Bedeutung zu sein. (…) ― Ich möchte zeigen, dass eine Tatsache, von der wir ausgehen, ohne eine Bewertung des gesamten Systems nichts besagt, und das bedeutet, dass wir auch den Prozess, an dem wir als Beobachter teilhaben, analysieren müssen. ― (1968: Die Revolution der Hoffnung. Für eine Humanisierung der Technik, in: Erich-Fromm-Gesamtausgabe (GA) Band IV, S. 299-301.)

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