Selbsterkenntnis

Selbsterkenntnis bedeutet nicht nur, sich dessen gewahr zu werden, was wir tun, sondern sich dessen gewahr zu werden, was uns unbewusst ist und das wir nicht kennen. (…) Seit Freud heißt Selbsterkenntnis, uns selbst zu kennen, insofern wir uns unserer selbst gewahr werden und insofern wir uns unserer selbst nicht gewahr sind. Selbsterkenntnis heißt heute, gleichsam Licht in den größten Teil unseres psychischen Lebens zu bringen, in jenen nämlich, der abgetrennt von unserem normalen bewussten Denken arbeitet und der nachts zum Vorschein kommt und auf die Bühne tritt, wenn wir schlafen, bzw. in der Psychose, wenn wir halluzinieren. ― (1991d [1974]: Therapeutische Aspekte der Psychoanalyse, in: Erich-Fromm-Gesamtausgabe (GA) Band XII, S. 350.)

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