Humanismus

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Sowohl in seiner christlich-religiösen als auch in seiner säkularen, nicht-theistischen Ausprägung ist der Humanismus gekennzeichnet durch einen Glauben an den Menschen und dessen Fähigkeit, sich zu immer höheren Stufen weiterzuentwickeln, durch den Glauben an die Einheit der menschlichen Rasse, durch den Glauben an Toleranz und Frieden sowie an Vernunft und Liebe als jenen Kräften, die den Menschen in die Lage versetzen, sich selbst zu verwirklichen und das zu werden, was er sein kann. ― (1963f: Humanismus und Psychoanalyse, in: Erich-Fromm-Gesamtausgabe (GA) Band IX, S. 3.)


(Der Humanismus) ist erstens gekennzeichnet durch den Glauben an die Einheit der Menschheit, durch den Glauben, dass es nichts Menschliches gibt, das nicht in jedem von uns zu finden wäre; zweitens durch die Betonung der Würde des Menschen; drittens durch die Betonung der Fähigkeit des Menschen, sich weiterzuentwickeln und zu vervollkommnen; schließlich viertens durch die Betonung von Vernunft, Objektivität und Frieden. ― (1966i: Zum Problem einer umfassenden philosophischen Anthropologie, in: Erich-Fromm-Gesamtausgabe (GA) Band IX, S. 19.)


Der Humanismus ist stets als Reaktion auf eine Gefahr aufgetaucht, die der Menschheit drohte: In der Renaissance war er die Reaktion auf die Gefahr des religiösen Fanatismus, in der Aufklärung die Reaktion auf den übertriebenen Nationalismus und später auf die Versklavung des Menschen durch die Maschine und ökonomische Interessen. Das Wiederaufleben des Humanismus in unseren Tagen ist eine erneute Reaktion auf letztere Gefahr in einer intensivierten Form – auf die Gefahr, dass der Mensch zum Sklaven der Dinge, zum Gefangenen der Umstände werden könnte, die er selbst geschaffen hat – und auf die völlig neue Bedrohung der physischen Existenz der Menschheit durch die Atomwaffen. ― (1965b: Einleitung, in: Erich-Fromm-Gesamtausgabe (GA) Band IX, S. 13f.)