Götzendienst; Idolatrie

Nach den Propheten des Alten Testaments ist der Götzendiener ein Mensch, der das Werk seiner eigenen Hände anbetet. Er nimmt sich ein Stück Holz; mit einem Teil macht er sich ein Feuer, um zum Beispiel einen Kuchen zu backen, aus dem anderen Teil des Holzes schnitzt er eine Figur, um diese Figur anzubeten. Doch das, was er anbetet, sind Dinge; diese Dinge haben Nasen und riechen nicht, sie haben Ohren und hören nicht und sie haben einen Mund und sprechen nicht. ― (1992 [1961]: Der moderne Mensch und seine Zukunft, in: Erich-Fromm-Gesamtausgabe (GA) Band XI, S. 278.)


Freuds Entdeckung der Übertragung ist viel weitreichender, als er selbst (…) sehen konnte. Mit der Entdeckung der Übertragung entdeckte er zugleich eine besonders starke Strebung im Menschen: die Neigung zum Götzendienst (Entfremdung). Diese Strebung wurzelt in der Zwiespältigkeit der menschlichen Existenz und sucht eine Antwort auf die Unsicherheit des Lebens. Der Mensch versucht eine Person, eine Institution, eine Idee in etwas Absolutes zu verwandeln, das heißt in einen Götzen, dem er sich unterwirft und der ihm die Illusion von Sicherheit verschafft. Man kann die psychologische und gesellschaftliche Bedeutung des Götzendienstes im Laufe der Geschichte kaum überschätzen. Götzendienst ist die Illusion, die eigenes Tätigsein und Unabhängigkeit behindert. ― (1989a [1974-75]: Vom Haben zum Sein. Wege und Irrwege der Selbsterfahrung, Erich-Fromm-Gesamtausgabe (GA) Band XII, S. 437)

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