Gesundheit, seelische; seelische Gesundheit

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Der Begriff „seelische Gesundheit“ ergibt sich aus den Bedingungen der menschlichen Existenz selbst und gilt für alle Menschen, unabhängig von allen Zeiten und Kulturen. Seelische Gesundheit ist gekennzeichnet durch die Fähigkeit zu lieben und etwas zu schaffen, durch die Loslösung von den inzestuösen Bindungen an Klan und Boden, durch ein Identitätserleben, das sich auf die Erfahrung seiner selbst als dem Subjekt und dem Urheber der eigenen Kräfte gründet, durch das Begreifen der Realität innerhalb und außerhalb von uns selbst, das heißt durch die Entwicklung von Objektivität und Vernunft. ― (1955a: Wege aus einer kranken Gesellschaft, in: Erich-Fromm-Gesamtausgabe (GA) Band IV, A. 52.)


Seelische Gesundheit hat für mich mit der Überwindung des Narzissmus zu tun oder, um es positiv zu formulieren, mit dem daraus resultierenden Erreichen von Liebe und Objektivität, mit der Überwindung der Entfremdung (…), mit dem daraus resultierenden Identitäts- und Unabhängigkeitserleben, mit der Überwindung der Feindseligkeit und der daraus folgenden Fähigkeit zu einem friedvollen Leben und schließlich mit dem Erlangen von Produktivität, die die Überwindung der archaischen Phase des Kannibalismus und der Abhängigkeit bedeutet. ― (1991f [1961]: Zum Verständnis von seelischer Gesundheit, in: Erich-Fromm-Gesamtausgabe (GA) Band XII, S. 150.)