Freude

Freude ist eine Begleiterscheinung produktiven Tätigseins. Sie ist kein „Gipfelerlebnis“, das kulminiert und abrupt endet, sondern eher ein Plateau, ein emotionaler Zustand, der die produktive Entfaltung der dem Menschen eigenen Fähigkeiten begleitet. Freude ist nicht die Ekstase, das Feuer des Augenblicks, sondern die Glut, die dem Sein innewohnt. ― Vergnügungen und Nervenkitzel hinterlassen ein Gefühl der Traurigkeit, wenn der Höhepunkt überschritten ist. Denn die Erregung wurde ausgekostet, aber das Gefäß ist nicht gewachsen. Die inneren Kräfte haben nicht zugenommen.― (1976a: Haben oder Sein. Die seelischen Grundlagen einer neuen Gesellschaft, in: Erich-Fromm-Gesamtausgabe (GA) Band II, S. 353.)


Der deutsche Psychologe Karl Bühler hat ein sehr schönes Wort geprägt, nämlich das Wort von der „Funktionsfreude“. Es soll besagen, dass Tätigsein eine Freude mit sich bringen kann, die darin liegt, dass der Mensch sein Funktionieren genießt, und zwar nicht, weil er dieses oder jenes braucht, sondern weil der Akt des Erschaffens, das Ausdrücken der eigenen Fähigkeiten, selbst Freude schafft. (…) Ich glaube, der Mensch ist nur er selbst, wenn er sich äußert, wenn er die ihm innewohnenden eigenen Kräfte ausdrückt. Wenn das nicht geschieht, wenn er nur „hat“ und benützt, statt zu „sein“, dann verfällt er, dann wird er zum Ding, dann wird sein Leben sinnlos. Es wird zum Leiden. Die echte Freude liegt in der echten Aktivität, und echte Aktivität ist der Ausdruck, ist das Wachstum der menschlichen Kräfte.― (1983b [1971]: Überfluss und Überdruss in unserer Gesellschaft, in: Erich-Fromm-Gesamtausgabe (GA) Band XI, S. 319.)

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