Freiheit

Freiheit ist nicht sosehr eine Tatsache als eine Möglichkeit: die authentische Realisierung der menschlichen Persönlichkeit. Freiheit muss erst im Kampf gegen die Hindernisse und Bedingungen, denen der Mensch ständig ausgesetzt ist, gewonnen werden. ― (1968g: Einleitung, in: Erich-Fromm-Gesamtausgabe (GA) Band IX, S. 383.)


Ich glaube, dass Freiheit keine konstante Wesenseigenschaft ist, die wir haben oder auch nicht haben. Vermutlich gibt sie es in Wirklichkeit nur als Akt unserer Selbstbefreiung, wenn wir von unserer Freiheit, wählen zu können, Gebrauch machen. Jeder Schritt im Leben, der den Grad der Reife des Menschen erhöht, erhöht auch seine Fähigkeit, die freimachende Alternative zu wählen. ― (1992q [1965]: Credo eines Humanisten, in: Erich-Fromm-Gesamtausgabe (GA) Band XI, S. 595.)


Man kann den Begriff „Freiheit“ auf zwei verschiedene Arten verstehen kann. Einerseits ist Freiheit eine Haltung, eine Orientierung, ein Bestandteil der Charakterstruktur der reifen, vollentwickelten, produktiven Persönlichkeit. (…) Freiheit in diesem Sinn bezieht sich (…) auf die Charakterstruktur des Betreffenden, und in diesem Sinn ist derjenige, „dem es nicht mehr freisteht, das Böse zu wählen“, der vollkommen freie Mensch. ― Die andere Bedeutung von Freiheit (meint) die Fähigkeit, sich für die eine oder die andere von zwei Alternativen zu entscheiden. Bei diesen Alternativen geht es jedoch stets um die Wahl zwischen rationalen und irrationalen Interessen im Leben, um Wachstum oder Stagnation und Tod. Versteht man Freiheit in diesem Sinn, so hat der Schlechteste und der Beste keine Freiheit der Wahl, während sich das Problem der Freiheit der Wahl gerade dem Durchschnittsmenschen mit seinen widerstreitenden Neigungen stellt. ― (1964a: Die Seele des Menschen. Ihre Fähigkeit zum Guten und zum Bösen, in: Erich-Fromm-Gesamtausgabe (GA) Band IV, S. 253.)

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