Erleben

Das Erleben ist begrenzt auf den Moment, bevor man das Wort ausspricht, denn sobald das Wort gesagt ist, ist es bereits „dort drüben“. Gleiches gilt für die Abstraktion, für den Begriff. (…) Bei der Vieldeutigkeit des Phänomens „Wort“ und „Begriff“ kommt deshalb alles darauf an, woher die Worte und Begriffe jeweils kommen. Kommt ein Wort aus dem eigenen Erleben, dann wird dieses Wort in dem lebendigen Kontext verbleiben, in dem es als Ausdruck eines Erlebens gesprochen wurde. Kommt das Wort jedoch aus dem Gehirn, obwohl es seinem Inhalt nach eigentlich vom Erleben kommen müsste, dann ist dieses Wort tatsächlich leer und nichts anderes als ein Götze, ein kleiner Götze. ― (1992g [1959]: Das Unbewusste und die psychoanalytische Praxis, in: Erich-Fromm-Gesamtausgabe (GA) Band XII, S. 211.)

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