Charakterzug

Vom psychoanalytischen Standpunkt aus ist ein Charakterzug ein energiegeladener Teil des gesamten Charaktersystems, das man nur ganz verstehen kann, wenn man die Gesamtstruktur versteht. Die Charakterzüge sind die Wurzeln der Verhaltensmerkmale, und ein bestimmter Charakterzug kann in einem oder mehreren verschiedenen Verhaltensmerkmalen zum Ausdruck kommen; seine Existenz kann dem Betreffenden nicht bewusst sein, doch kann man aus verschiedenen Phänomenen (wie aus scheinbar unbedeutenden Einzelheiten des Verhaltens, aus Träumen usw.) darauf schließen.

Das Verhalten, das im wesentlichen eine Anpassung an reale Umstände ist, ändert sich verhältnismäßig leicht, wenn die Umstände ein andersartiges Verhalten ratsamer erscheinen lassen; Charakterzüge bleiben gewöhnlich auch dann bestehen, wenn sie unter veränderten Umständen schädlich sind, was besonders für neurotische Charakterzüge gilt. ― (1970b [zus. mit Michael Maccoby]: Psychoanalytische Charakterologie in Theorie und Praxis. Der Gesellschafts-Charakter eines mexikanischen Dorfes, in: Erich-Fromm-Gesamtausgabe (GA) Band III, S. 246f.)

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