Symbiose; Abhängigkeit symbiotische

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Im psychologischen Sinn bedeutet Symbiose die Vereinigung eines individuellen Selbst mit einem anderen Selbst (oder mit irgendeiner anderen Macht außerhalb des eigenen Selbst) und zwar auf solche Weise, dass jeder dabei die Integrität seines Selbst verliert und beide in eine völlige Abhängigkeit voneinander geraten. ― (1941a: Die Furcht vor der Freiheit, in: Erich-Fromm-Gesamtausgabe (GA) Band I, S. 310)


„Abhängigkeit“ setzt eine klare Unterscheidung zwischen beiden Personen voraus, wobei die eine von der anderen abhängt. Im Falle einer symbiotischen Beziehung kann sich der symbiotisch Gebundene manchmal überlegen, manchmal unterlegen und manchmal auch seinem „Wirt“ ebenbürtig fühlen – aber sie sind stets nicht voneinander zu trennen. Man kann diese symbiotische Einheit am besten mit der Einheit der Mutter mit dem Fötus vergleichen. Fötus und Mutter sind zwei und trotzdem eines. Es kommt auch nicht selten vor, dass beide Beteiligten wechselseitig symbiotisch miteinander verbunden sind. In diesem Fall handelt es sich um eine folie à deux, die den beiden als solche nicht bewusst ist, weil sie beide sie als Realität empfinden. In extrem regressiven Formen der Symbiose besteht tatsächlich unbewusst der Wunsch, in den Mutterschoß zurückzukehren. ― (1964a: Die Seele des Menschen. Ihre Fähigkeit zum Guten und zum Bösen, in: Erich-Fromm-Gesamtausgabe (GA) Band II, S. 231.)