Beziehung, therapeutische

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Die Beziehung des distanzierten Beobachters, der aufmerksam gegenüber seinem „Objekt“ ist, soll zu einer der zwischenmenschlichen Kommunikation werden. (…) Eine solche Art von Kommunikation ist nur möglich, wenn der Analytiker wirklich spürt, was im Patienten vor sich geht, und nicht nur einen verstandesmäßigen Zugang zum Patienten hat. Er muss sehen, sehen und nochmals sehen und so wenig wie möglich denken. Und er muss die Illusion aufgeben, dass er als Analytiker „gesund“, der Patient aber „krank“ ist. Sie beide sind Menschen. Wenn das Erleben des Patienten, und sei es noch so krankhaft, nicht wenigstens eine Saite des eigenen Erlebens beim Analytiker zur Schwingung bringt, dann versteht er den Patienten nicht. (…) In Wirklichkeit haben sich beide, der Analytiker und der Patient, eine gemeinsame Aufgabe vorgenommen: das gemeinsame Verstehen dessen, was der Patient erlebt, und das gemeinsame Verstehen der Reaktionen des Analytikers auf das Erleben des Patienten. Es geht dabei nicht um das Verstehen des „Problems“, das der Patient hat. Der Patient „hat“ kein Problem, sondern ist ein Mensch, der an seiner Art zu leben leidet. ― (1990f [1969]: Die dialektische Revision der Psychoanalyse, in: Erich-Fromm-Gesamtausgabe (GA) Band XII, S. 64.)


Wenn wir einen Patienten wirklich verstehen, dann erleben wir in uns alles, was uns der Patient erzählt, seien es nun psychotische, kriminelle oder kindische Phantasien. Wir verstehen sie nur, wenn sie eben diese Saite in uns selbst zum Schwingen bringen. Dies ist auch der Grund, warum wir mit Autorität zum Patienten sprechen können: Wir sprechen nicht mehr über ihn, sondern über unser eigenes Erleben, das durch die Mitteilung seines Erlebens in uns manifest wurde. Auf diese Weise analysieren wir uns mit Hilfe des Patienten. (…) Wer auf einen Patienten in einer Weise bezogen ist, dass er ihn nicht als ein Ding „da drüben“, das er erforscht, sieht, sondern versucht, in sich selbst zu erleben, was ein Patient fühlt, der erlebt sich tatsächlich ganzheitlich, die ganze Welt dessen, was nicht im Bewusstsein ist. ― (1992g [1959]: Das Unbewusste und die psychoanalytische Praxis, in: Erich-Fromm-Gesamtausgabe (GA) Band XII, S. 221.)