Banalität

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Wenn ich hier von Banalität im Unterschied zu Realität spreche, dann meine ich nicht, dass das Banale nicht klug sein kann, sondern dass es unwirklich ist. Wenn ich in der New York Times zum Beispiel einen Beitrag über den Krieg in Vietnam lese, dann mutet mich dieser banal an, was natürlich eine Frage der politischen Überzeugung ist, und zwar einfach deshalb, weil er unwirklich ist, denn er handelt von Fiktionen. (…) Ebenso banal ist die Art, wie Menschen über ihr persönliches Leben reden, weil sie über unwirkliche Dinge reden. Wenn jemand erzählt, dass der Ehemann dieses oder jenes getan habe oder dass er befördert oder nicht befördert worden ist, oder ob jemand den Freund anrufen soll oder nicht, dann ist dies banal, weil es an nichts Wirkliches rührt, sondern sich nur mit Rationalisierungen beschäftigt. ― (1991c [1964] Wirkfaktoren der psychoanalytischen Behandlung, in: Erich-Fromm-Gesamtausgabe (GA) Band XII, S. 254.)