Aktivität

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Der Ausdruck „produktiv“ wird leicht mit „aktiv“ verwechselt, ebenso „Produktivität“ mit „Aktivität“. Beide Worte können synonym gebraucht werden (z. B. bei Aristoteles). Im modernen Sprachgebrauch bezeichnet „Aktivität“ jedoch häufig das strikte Gegenteil von „Produktivität“. Gemeinhin wird „Aktivität“ als eine Verhaltensweise definiert, die mittels eines Energieaufwandes eine bestehende Situation verändert. Im Gegensatz hierzu wird ein Mensch als passiv bezeichnet, der eine bestehende Situation nicht ändern oder sichtbar beeinflussen kann, sondern durch außer ihm liegende Kräfte beeinflusst oder geschoben wird. Dieser geläufige Begriff der Aktivität zieht lediglich den tatsächlichen Energieverbrauch und die hierdurch bewerkstelligte Veränderung in Betracht. Ein Unterschied zwischen den vorhandenen psychischen Umständen, die diese Aktivität bestimmen, wird nicht gemacht. ― (1947a: Psychoanalyse und Ethik. Bausteine zu einer humanistischen Charakterologie, in: Erich-Fromm-Gesamtausgabe (GA) Band II, S. 57f.)


Aktivität im modernen Sinn bezieht sich nur auf Verhalten, nicht auf die Person, die sich in einer bestimmten Weise verhält. Es wird nicht differenziert, ob ein Mensch aktiv ist, weil er wie ein Sklave durch äußere Mächte dazu gezwungen wird, oder weil er ein von Angst getriebener Mensch unter innerem Zwang steht. (…) Aktivität im modernen Sinn unterscheidet nicht zwischen Tätigsein und bloßer Geschäftigkeit.― (1976a: Haben oder Sein. Die seelischen Grundlagen einer neuen Gesellschaft, in: Erich-Fromm-Gesamtausgabe (GA) Band II, S. 334.)


― (Der aktive Mensch) ist ein Mensch (…), der von innen heraus aktiv ist, der sich aktiv auf die Welt bezieht, und für den die Bezogenheit auf und die Verbundenheit mit der Welt eine innere Notwendigkeit ist; der sich im Prozess des Lebens ständig verwandelt und in jedem Akt, den er vollbringt, nicht derselbe bleibt, sondern für den, ganz im Gegenteil, jeder Akt gleichzeitig eine Veränderung seiner Person bedeutet. ― (1970j: Die psychologischen und geistigen Probleme des Überflusses, in: Erich-Fromm-Gesamtausgabe (GA) Band V, S. 325.)― (The active person) is active from within. He has an active relationship with the world. For him, relatedness and connectedness with the world is an inner necessity. The person who is oriented toward being is the person who constantly changes during the course of his life and who does not remain the same in every action that he performs, but for whom, quite to the contrary, every action simultaneously means a change of his person. ― (1970j: Die psychologischen und geistigen Probleme des Überflusses, translated into English.)